Neurodermitis: Welche Creme bei trockener, juckender Haut?
Verfasst von Silje Josefine Nordrum, Gründerin von Xecrets · Zuletzt geprüft am
Neurodermitis, auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt, ist eine chronische entzündliche Hauterkrankung, die sich durch trockene Haut, Juckreiz, Rötung und Schubphasen kennzeichnet. Zentral ist eine geschwächte Hautbarriere: Die Haut hält Wasser schlechter und wird anfälliger für Reizungen von außen. Die regelmäßige Anwendung einer rückfettenden Creme — feuchtigkeitsspendend und geschmeidig machend — ist ein zentraler Bestandteil der Basispflege, neben jeder medizinischen Behandlung.
Die Erkrankung ist besonders häufig bei Kindern, kann aber bis ins Erwachsenenalter fortbestehen oder erst dann beginnen.
Feuchtigkeit und Lipide — die Grundlage der Pflege
Bei Neurodermitis zielt die regelmäßige Anwendung einer rückfettenden Creme darauf ab:
- Wasserverlust der Haut zu reduzieren
- Feuchtigkeit hinzuzufügen und zu binden
- Trockene und schuppende Haut geschmeidig zu machen
- Die Funktion der Hautbarriere zu unterstützen
- Reizung und Unbehagen zu reduzieren
Eine gute Creme kombiniert meist feuchtigkeitsbindende Inhaltsstoffe mit Lipiden oder anderen rückfettenden Stoffen, die den transepidermalen Wasserverlust verringern.
Wie reichhaltig die Creme sein sollte, hängt vom Hautzustand ab. Bei sehr trockener Haut ist eine reichhaltige Creme oder Salbe oft besser geeignet als eine leichte Lotion. Gleichzeitig zählen Verträglichkeit und Anwendbarkeit: Eine Creme, die sich angenehm anfühlt und deshalb regelmäßig verwendet wird, ist in der Praxis oft die bessere Wahl als eine sehr fettige Creme, die vermieden wird.
Welche Creme sollten Sie wählen?
Es gibt keine einzelne Creme, die für alle passt. Die Wahl sollte den Grad der Trockenheit, den betroffenen Hautbereich, das Alter und den Grad der Reizung widerspiegeln. Für trockene, neurodermitisanfällige Haut werden im Allgemeinen Produkte mit wenigen, gut verträglichen Inhaltsstoffen empfohlen. Duftstoffe können empfindliche Haut reizen, daher sind duftstofffreie Produkte oft die sinnvolle Wahl.
Sehr trockene Haut: Eine reichhaltige Creme oder Salbe mit hohem Lipidgehalt kann besonders hilfreich sein, da sie eine okklusivere Oberfläche bildet, die den Wasserverlust reduziert. Inhaltsstoffe wie Glycerin und Harnstoff können den Wassergehalt der Haut erhöhen. Harnstoff kann jedoch auf sehr gereizter, rissiger oder aktiv entzündeter Haut stechen, weshalb Konzentration und Verträglichkeit berücksichtigt werden sollten.
Leichtere Trockenheit: Eine etwas leichtere Creme kann ausreichen. Am wichtigsten ist, dass das Produkt genug Feuchtigkeit spendet, um die Haut geschmeidig zu halten, und dass es regelmäßig verwendet wird.
Das Gesicht braucht besondere Sanftheit
Neurodermitis im Gesicht kann besonders belastend sein. Die Gesichtshaut ist oft empfindlicher und ist vielen potenziellen Reizstoffen durch Hautpflege, Kosmetik, Wetter und Temperaturwechsel ausgesetzt. Halten Sie die Routine einfach:
- Sanfte Reinigung
- Ein feuchtigkeitsspendendes und schützendes Serum
- Eine barrierestärkende Feuchtigkeitscreme
- Sonnenschutz tagsüber
Während eines aktiven Schubs sollten Sie mit potenziell reizenden Inhaltsstoffen wie Säuren, Retinoiden, starken Peelings, Duftstoffen und ätherischen Ölen vorsichtig sein. Ist die Haut deutlich rot, entzündet und juckend, denken Sie daran: Das ist nicht nur ein Feuchtigkeitsproblem — aktive Neurodermitis kann neben der regelmäßigen Anwendung rückfettender Cremes eine medizinische entzündungshemmende Behandlung erfordern.
Hände — ein besonders exponierter Bereich
Hände sind besonders anfällig, da sie häufig gewaschen werden und mit Wasser, Seife, Reinigungsmitteln, Kälte und anderen Reizstoffen in Kontakt kommen. Bei Handekzemen ist es wichtig, gute Hautpflege mit einer Reduzierung der Belastung der Haut zu kombinieren.
Tragen Sie nach dem Händewaschen und bei Bedarf über den Tag verteilt eine reichhaltige, geschmeidig machende Creme auf. Tragen Sie abends vor dem Schlafengehen eine dickere Schicht auf. Bei ausgeprägter Trockenheit sind Baumwollhandschuhe über der Creme nachts eine einfache Möglichkeit, die Kontaktzeit zwischen Haut und Produkt zu verlängern.
Der Körper — Regelmäßigkeit zählt mehr als die Produktanzahl
Für Neurodermitis am Körper ist eine komplizierte Routine unnötig. Wichtig ist die regelmäßige Anwendung einer geeigneten rückfettenden Creme. Tragen Sie die Creme kurz nach dem Duschen oder Baden auf, sobald die Haut sanft trockengetupft wurde. Das hilft, Austrocknung zu reduzieren und den Feuchtigkeitsgehalt der Haut zu erhalten. Bei sehr trockener Haut kann eine Salbe oder reichhaltige Creme geeignet sein, während bei leichterer Trockenheit eine leichtere Creme ausreichen kann.
Kinder und Babys: besondere Sorgfalt
Neurodermitis ist bei Kindern am häufigsten, und Kinderhaut ist dünner und aufnahmefähiger. Verwenden Sie duftstofffreie Produkte mit einfacher Formulierung, tragen Sie großzügig und häufig auf, und meiden Sie Wirkstoffe vollständig. Folgen Sie bei der Behandlung eines aktiven Schubs stets den Empfehlungen des Kinderarztes oder der Gesundheitsfürsorge, und suchen Sie ärztlichen Rat, statt zu experimentieren, wenn sich die Neurodermitis eines Kindes verschlimmert.
Was hilft gegen den Juckreiz?
Juckreiz ist eines der charakteristischsten Symptome der Neurodermitis und kann Schlaf und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Er entsteht teils durch Entzündung und Trockenheit. Kratzen wiederum schädigt die Hautbarriere und verstärkt die Entzündung — oft als Juck-Kratz-Kreislauf bezeichnet. Um diesen zu durchbrechen:
- Regelmäßig eincremen
- Sehr heißes Wasser vermeiden
- Milde, duftstofffreie Produkte verwenden
- Kleidung meiden, die die Haut reizt
- Haut und Schlafzimmer angenehm kühl halten
Bei ausgeprägtem Juckreiz ist es wichtig, das Ekzem und die Entzündung selbst zu behandeln. Feuchtigkeitspflege allein reicht während eines aktiven Schubs nicht immer aus.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Es ist wichtig, zwischen trockener Haut und aktiver Neurodermitis zu unterscheiden. Ist die Haut deutlich rot, entzündet, nässend oder schmerzhaft, oder ist der Juckreiz ausgeprägt und beeinträchtigt Schlaf und Alltag, wenden Sie sich an einen Arzt. Eine ärztliche Abklärung ist auch relevant, wenn:
- sich das Ekzem trotz regelmäßiger Feuchtigkeitspflege nicht bessert
- die Haut warm, geschwollen oder schmerzhaft wird
- Nässen, gelbe Krusten oder andere Anzeichen einer Infektion auftreten
- Sie unsicher sind, um was es sich handelt
- das Ekzem Schlaf oder Lebensqualität erheblich beeinträchtigt
Bei aktiver Neurodermitis kann ein Arzt die Notwendigkeit einer topischen entzündungshemmenden Behandlung beurteilen, zum Beispiel mit Kortikosteroiden oder anderen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Diese Behandlungen können neben der regelmäßigen Feuchtigkeitspflege angewendet werden.
Kurz gesagt
Bei Neurodermitis geht es nicht nur darum, Feuchtigkeit hinzuzufügen, sondern langfristig Wasserverlust zu reduzieren und die Hautbarriere zu stärken. Gute Basispflege bedeutet die regelmäßige Anwendung einer geeigneten rückfettenden Creme, angepasst an den Grad der Trockenheit und den betroffenen Körperbereich. Bei aktiver Entzündung kann zusätzlich eine medizinische Behandlung nötig sein.
Häufig gestellte Fragen
Welche Creme sollte ich bei Neurodermitis verwenden?
Eine reichhaltige, duftstofffreie und gut verträgliche Creme oder Salbe ist meist ein guter Ausgangspunkt. Bei sehr trockener Haut kann ein fettigeres Produkt nötig sein. Die regelmäßige Anwendung zählt mehr als die konkrete Marke.
Welche Creme bei Neurodermitis im Gesicht?
Wählen Sie eine milde, duftstofffreie, barrierestärkende Creme. Meiden Sie unnötige Wirkstoffe und potenziell reizende Inhaltsstoffe, solange die Haut gereizt ist, und verwenden Sie tagsüber Sonnenschutz.
Was hilft gegen den Juckreiz?
Regelmäßige Feuchtigkeitspflege, sanfte Hautpflege, kühle Umgebung und weniger Reizung können helfen. Bei ausgeprägtem Juckreiz oder einem aktiven Schub muss auch die Entzündung selbst behandelt werden — sprechen Sie mit einem Arzt.
Quellen
- Helsenorge — Atopisches Ekzem, Norwegisches Gesundheitsdirektorat. Aktualisiert am 5. Mai 2026
- American Academy of Dermatology (AAD) — Atopic dermatitis: Diagnosis and treatment
- American Academy of Dermatology (AAD) — Atopic dermatitis: Skin care
- American Academy of Dermatology (AAD) — Guidelines of care for atopic dermatitis
- European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) / EuroGuiDerm — European Guideline on Atopic Eczema, Living Update 2024
Weiterlesen
Empfindliche Haut: Ursachen, Anzeichen und was wirklich hilft
Empfindliche Haut ist keine Diagnose — sie ist eine Art zu reagieren. So erkennen Sie sie, das sind die Auslöser, und so bauen Sie eine Routine auf, mit der Ihre Haut gut zurechtkommt.
Rosacea: Ursachen, Auslöser und Pflege bei geröteter Haut
Rosacea ist eine häufige entzündliche Hauterkrankung im Gesicht. Erfahren Sie die typischen Auslöser, warum die Haut empfindlich wird, und wie eine ruhige Tagesroutine aussieht.
Welche Creme bei Rosacea? Worauf es bei der Pflege ankommt
Es gibt keine einzelne Creme, die für jeden mit Rosacea passt. Wichtig ist, dass sie mild, feuchtigkeitsspendend und von Ihrer Haut tatsächlich gut verträglich ist.